Bekanntermaßen entwickeln die BRICS-Staaten* schon seit längerem ein eigenes, von SWIFT unabhängiges Zahlungssystem. Zunehmend machen auch neue Partner wie Saudi-Arabien oder Ägypten Avancen, dort ggf. mitzuziehen. Ziel ist erklärtermaßen mehr Unabhängigkeit vom US-Dollar und eine souveräne Abwicklung internationaler Zahlungen. Für Regionalbanken in Europa ist das keine geopolitische Randnotiz, sondern ein strategisches Frühwarnsignal. Denn ein alternatives Zahlungsnetz wird die etablierten Finanzinfrastrukturen nachhaltig verändern. Damit würden auch Anforderungen, Chancen und Risiken im internationalen Bankgeschäft neu definiert.
Im Schatten globaler Spannungen wächst ein paralleles Finanzsystem. Laut Inside Paradeplatz testeten BRICS-Banken im Herbst 2025 erstmals grenzüberschreitende Zahlungen über eine eigene, blockchain-basierte Plattform. Ziel sei es, ‚einen resilienten Kanal außerhalb westlicher Infrastrukturen zu schaffen‘. Der operative Fokus liegt zunächst auf Handelsströmen innerhalb des BRICS-Raums, beispielsweise betreffend Rohstoffe, Energie oder Agrarprodukte.
Das System BRICS* soll laut Handelsblatt mittelfristig drei Funktionen erfüllen: (1) Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen ohne SWIFT. (2) Nutzung nationaler Digitalwährungen (CBDCs) als Settlement-Medium. Und (3): Integration über APIs in bestehende Core-Banking-Systeme, um internationale Transfers schneller und günstiger zu machen. Was zunächst nach fernem Zukunftsthema klingt, ist in Wahrheit ein Technologiewechsel in Echtzeit. Und damit relevant für Banken, die heute noch kaum mit dem globalen Süden im direkten Geschäft stehen.

BRICS Zahlungssystem mit oder versus SWIFT?
Warum das Regionalbanken betrifft
Für Regionalbanken in Deutschland war das Auslandsgeschäft bisher meist ein Randthema. Aber: Viele ihrer Firmenkunden agieren längst international – wie etwa der Maschinenbau, der Agrarsektor oder der mittelständische Handel. Wenn sich dort neue Zahlungskorridore etablieren, entstehen neue Intermediäre, neue Währungen und neue Standards, die auch hiesige Institute indirekt betreffen. Dies gilt insbesondere in drei Bereichen:
- Korrespondenzbanken: Wenn große internationale Player beginnen, alternative Netzwerke zu nutzen, könnten bestehende SWIFT-Verbindungen ausgedünnt werden.
- Liquiditätsmanagement: Neue Settlement-Währungen wie beispielsweise Digital Yuan, Rupie oder Real erfordern neuartige FX- und Risiko-Prozesse.
- Compliance: Unterschiedliche Datenschutz-, AML- und Sanktionsstandards machen die Integration komplexer. Das gilt insbesondere für kleinere Häuser mit begrenzten Ressourcen.
Unmittelbar gibt es freilich Entwarnung. Das BRICS-System wird nicht gleich morgen in Europa ersetzt. Allerdings wird es mittelfristig neue Wettbewerbslogiken im Zahlungsverkehr auslösen. Wer sich darauf nicht vorbereitet, läuft Gefahr, in Abhängigkeit zu bleiben. Oder Anschlussmöglichkeiten zu verpassen.
Der eigentliche Wendepunkt: Technologie und Tempo
Während Europa noch über eine Digital-Euro-Pilotphase diskutiert, gehen andere Regionen pragmatischer vor. Die BRICS-Plattform setzt auf distributive Ledger-Technologie, um direkte Transaktionen zwischen Banken ohne zentrale Clearingstelle zu ermöglichen. Das reduziert nicht nur Kosten, sondern stärkt auch Daten-Souveränität. Hier steckt die eigentliche Herausforderung, die unser digitales Zeitalter zu prägen scheint. Nicht die Politik, sondern die Technologie-Geschwindigkeit verändert die Spielregeln. Regionale Institute, die heute noch mit altmodischen Core-Systemen und batchbasierten Zahlungsprozessen arbeiten, laufen Gefahr, infrastrukturell abgehängt zu werden – selbst wenn sie nur national agieren.
Zahlungsverkehr ist längst kein Backoffice-Thema mehr. Es ist ein strategischer Hebel für Kundenbindung und Effizienz. Neue Plattformen, ob BRICS-basiert oder privatwirtschaftlich setzen auf Echtzeit, Interoperabilität und Transparenz. Diese Perspektive sollten auch Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Regionalinstitute verstehen und ggf. nutzen.
Chancen für regionale Banken und Fintechs
Trotz aller Komplexität eröffnet die Entwicklung auch Chancen. So entstehen quasi zwangsweise Kooperationen mit Fintechs. Spezialisierte Anbieter für Cross-Border-API-Schnittstellen oder digitale Identitäten könnten helfen, neue Standards früh zu adaptieren. Es entstehen neue Beratungsfelder. So suchen Firmenkunden immer mehr nach Orientierung die eigenen Zahlungsströme resilient zu halten, die Risiken neuer Systeme möglichst gering zu halten und wann sie sinnvoll genutzt werden können. Darüber hinaus geht es um die Stärkung der eigenen Souveränität.
Wer sich früh mit neuen Infrastrukturen befasst, kann regulatorisch und technisch mitgestalten statt später nur zu reagieren. Regionalbanken könnten als Brückenbauer auftreten: zwischen lokaler Stabilität und globaler Dynamik. Damit entsteht ein neues Rollenbild – der Hybridbanker, der technologische Innovation nicht als Bedrohung, sondern als Gestaltungsraum versteht.

BRICS und SWIFT
Herausforderungen: Zwischen Regulierung und Realität
Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber die Integration alternativer Zahlungssysteme ist kein Selbstläufer. Es braucht Regulatorik, Vertrauen und Standards. Die europäische Finanzaufsicht wird abwarten, wie sich solche Systeme entwickeln. Insbesondere was Geldwäscheprävention und Datenschutz betrifft. Für kleinere Häuser bleibt zudem die Ressourcenfrage. Wie lässt sich die notwendige technologische Kompetenz aufbauen, ohne das Geschäftsmodell zu überdehnen? Hier könnten Bankenverbände, IT-Dienstleister und Fintech-Kooperationen helfen, den Zugang zu neuen Infrastrukturen zu standardisieren.
Strategische Wachsamkeit ist kein Luxus mehr
Das BRICS-Zahlungssystem ist kein unmittelbarer Wettbewerber, aber ein Signal für den Wandel globaler Finanz-Infrastrukturen. Regionalbanken müssen diese Dynamik verstehen und professionell einordnen. Nicht etwa, um geopolitische Positionen zu beziehen. Sondern schlicht um ihre Handlungsfähigkeit zu sichern.
Wer jetzt beginnt, technologische Entwicklungen zu beobachten, Kompetenzen im internationalen Zahlungsverkehr aufzubauen und Partnerschaften mit Fintechs zu prüfen … der kann den Wandel mitgestalten – statt hinterherzulaufen. Kurz gesagt: es geht nicht um BRICS vs. SWIFT, sondern um Souveränität vs. Abhängigkeit. Und diese Frage stellt sich auch für jede regionale Bank in Europa.
*Kollektiv aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.












