Ein spannender Artikel des Marketing-Lead-Magazin OneToOne zum Thema Influencer Marketing im Handel hat uns im Team getriggert. Die Frage kam auf inwieweit bzw. wie stark Regionalbanken heute mit sogenannten InfluencerInnen kooperieren. Oder anders: inwieweit Influencer Marketing im Banking eine Rolle spielt. Was es für Best-Practice-Ansätze im DACH Raum oder auch darüber hinaus gibt. Und wie man sich als Banking-Marketer bzw. -Entscheider dieser relevanten Werbeform wirksam und erfolgreich bedienen könnte. Viel Spaß mit unseren Erkenntnissen.
„Persil, da weiß man, was man hat. Guten Abend.“ Wer in den achtziger Jahren sozialisiert ist, der kennt noch den ‚Persil-Mann‘, der genau jenen Satz jedes Mal am Ende seines Werbeauftritts für das gleichnamige Waschmittel aus dem Hause Henkel zum Besten gab. Ok, weder Clemetine, noch Herr Kaiser von der Hamburg Mannheimer oder der besagte Persil-Mann waren klassische Influencer. Aber es waren Gesichter – im Marketing-Sprech Identifikations- oder Integrationsfiguren – die ‚positiv besetzt‘ über eine Marke respektive ein Produkt sprachen. Soziologisch geschah hier bereits ähnliches wie heute im Influencer-Marketing des 21. Jahrhunderts.
Auch heute sind es echte Menschen, die für Produkte und Marken sprechen. Sie haben Reichweite in relevanten Zielmärkten – darauf kommt es zuvorderst an – und sie genießen Vertrauen, ebenda. Ob auf Instagram, TikTok, YouTube oder LinkedIn: InfluencerInnen haben Reichweite in relevanten Zielmärkten. Jene haben sie aufgebaut auf Nähe, Authentizität und dem Prinzip Community. Sie sind weniger ‚Testimonial‘ als mehr Empfehlungsgeber. Genau das macht ihren Reiz aus – und zugleich die Herausforderung für konservative Marken wie beispielsweise Regionalbanken.

Influencer beeinflussen Sentiment
Status quo – Influencer Marketing im Banking
Im Handel und in der Konsumgüterindustrie ist Influencer Marketing längst Standard. Allein im DACH-Raum wuchs das Marktvolumen 2023 auf über 1,5 Milliarden Euro. Unternehmen setzen dabei zunehmend auf Micro- und Nano-Influencer, die mit kleineren, aber hochrelevanten Communities arbeiten.
Und Banken? Na ja … die großen Neobanken wie N26, Vivid oder Klarna – experimentieren schon länger mit Creator-Kampagnen. Dabei geht es oft um Reichweite in urbanen Zielgruppen, die an Apps und digitale Produkte gewöhnt sind.
Regionalbanken dagegen agieren erfahrungsgemäß noch vorsichtig. Zwar investieren sie stark in Sponsoring (Sportvereine, lokale Kultur), aber Kooperationen mit Influencern sind eher selten. Wenn überhaupt, dann im Employer Branding – etwa wenn Azubis über Instagram vom Alltag in der Bank berichten. Doch gerade hier schlummert ein Potenzial: Banken sind tief in ihren Regionen verankert. Wer, wenn nicht sie, könnte glaubwürdig mit lokalen Stimmen arbeiten? Mit Verlaub: eine riesige Chance.
Herausforderungen für Regionalbanken
Zurückhaltung beim Influencer-Marketing im Banking könnte gerade für konservative, aber sehr marktnahe Regionalbanken ein strategischer Kardinalsfehler sein. Drei Gründe stechen hervor, die ein Engagement anspruchsvoll gestalten:
Markenfit und Glaubwürdigkeit | Banken stehen für Stabilität, Sicherheit und Seriosität. Nicht jeder Influencer, der Reichweite hat, passt in dieses Bild. Die Gefahr von Imagebrüchen ist groß, wenn Authentizität nur vorgespielt wirkt. Wir meinen: ein reines Umsetzungs-Problem.
Regulierung und Compliance | Finanzprodukte sind erklärungsbedürftig und unterliegen strengen rechtlichen Vorgaben. Werbung muss eindeutig und transparent sein. Das macht spontane, humorvolle Formate schwieriger – aber nicht unmöglich. Wir meinen: So what? Ehrlich. Transparent. Gerade heraus. Regionalbanken haben was zu bieten!
Unkenntnis und Risikoangst | Viele Marketing-Verantwortliche wissen schlicht nicht, wie Influencer Marketing im Banking funktioniert. Wie Preise gebildet werden. Welche KPI relevant sind. Unsicherheit führt zur Blockade. Wir meinen: Weiterbildung hilft. Lassen Sie sich beraten.
Wo Influencer Marketing im Banking sinnvoll ist
Trotz dieser Hürden gibt es konkrete Anwendungsfelder, die gerade für Regionalbanken attraktiv sein können:
Zunächst ist da der Bereich Finanzbildung für junge Zielgruppen. Viele junge Menschen holen sich Informationen nicht mehr in der Filiale, sondern auf TikTok oder YouTube. Creator, die Finanzthemen leicht erklären, haben enorme Reichweiten. Kooperationen könnten helfen, Wissen niedrigschwellig zu vermitteln – ohne dass die Bank ihre Botschaften allein trägt. Dann Stichwort Employer Branding. Azubis oder junge Mitarbeitende als ‚Corporate Influencer‘ sind ein authentisches Sprachrohr. Ihre Stories über Ausbildung, Arbeitskultur oder Karrierewege wirken nahbar und glaubwürdig. Regionale Themen & Sponsoring 2.0. Statt ’nur‘ das lokale Fußballteam zu unterstützen, könnte die Bank mit bekannten Stimmen aus der Region kooperieren: Musiker:innen, Sportlerinnen & Sportler, Community-Creator. So wird Sponsoring digital verlängert – aber sichtbar für eine klar umrissene Zielgruppe. Last not least: Nachhaltigkeit und das Prinzip Verantwortung. Viele Regionalbanken positionieren sich stark über Nachhaltigkeit oder Gemeinwohl. Influencer, die sich genau dafür engagieren, sind glaubwürdige Multiplikatoren.

Influencer machen Meinung – und wirken
Erfolgsfaktoren für den Einstieg
Wer Influencer Marketing ausprobieren möchte, schnuppert ungefähr so los:
Regel 01 – Klein anfangen: Kooperationen mit Micro- oder Nano-Influencern (1.000–10.000 Follower) sind günstig, zielgruppennah und risikoarm. Ausprobieren, lernen, wachsen.
Regel 02 – Klar definieren, was erreicht werden soll: Geht es um Markenbekanntheit, Recruiting oder Produktinformation? Ohne klares Ziel verpufft die Wirkung. Das Zauberwort: KPI. Oder gleich OCFR. Aber das ist ggf. eine andere Baustelle.
Regel 03 – Auf Authentizität setzen: Influencer müssen wirklich zum Wertekanon der Bank passen. Es geht nie um Reichweite um jeden Preis. Und die Botschaft muss passen. Werbung der 90er Jahre greift bei Generation Z oder gar Gen Alpha schlicht nicht mehr. Es geht um echten Mehrwert / Nutzen und Convenience.
Regel 04 – Die Regeln kennen: Werbekooperationen müssen rechtlich sauber umgesetzt sein. Hier geht es um Kennzeichnungspflichten, Produktinformationen und mehr. Juristische Beratung zum Start ist zentral.
Regel 05 – Lernen & iterieren: Erste Tests helfen, Erfahrungswerte zu sammeln und Prozesse aufzubauen. Tasten Sie sich langsam vor und suchen Sie sich Profis als Mentoren. Hinweis: Wir helfen gerne mit Tipps.
Influencer Marketing – und jetzt?
Für typische Regionalbanken – hmm, gibt es sowas wirklich? – wirkt Influencer Marketing auf den ersten Blick fremd. Doch im Kern geht es um etwas sehr Vertrautes: Menschen, die für andere Menschen glaubwürdig sprechen. Was früher Clementine und Herr Kaiser aus heutiger Perspektive eher hölzern und unbeholfen taten. – das können InfluencerInnen 2025 authentisch.
Die Devise wäre oder ist: Kooperation mit authentischen Stimmen aus der Region. Glaubwürdiges Storytelling über Themen, die zur Bank passen. Und eine Portion Mut, Neues auszuprobieren. Wer es schafft, Influencer Marketing als Ergänzung zu klassischen Kanälen zu sehen, kann nicht nur junge Zielgruppen erreichen, sondern ggf. auch die Rolle der Bank einer Region neu inszenieren.
Influencer Marketing ist für Regionalbanken kein Modegag, sondern eine Chance. Nicht jeder Trend passt – aber die Kunst liegt darin, das Passende auszuwählen. Wer jetzt beginnt, klein zu experimentieren, kann mit gestalten, wie Banking in der Social-Media-Welt wahrgenommen wird.
Quellen:
Influencer-Marketing: Handelsunternehmen investieren 67.000 Euro jährlich
Influencer-Marketing bis 2027 – Statista (hinter Paywall)
Benchmark: Top Influencer Marketing for Banks (Englisch)












