Schon länger stelle ich mir die Frage: woran liegt es, dass FinTechs und Finanzdienstleister digitalen Hypes mit hohen Investitionen folgen aber bestimmte Nutzergruppen einfach aussen vor bleiben?

Vielleicht täusche ich mich ja? Deshalb meine Bitte: folgt den kommenden Ausführungen von mir und lasst mich durch eure Kommentare sehen, in welche Richtung der allgemeine Trend geht.

Meine Meinung resultiert aus Wahrnehmungen und Trends, die mich täglich über Studien, Newsletter und Social Media erreichen.

Manifestiert hat sich meine Einschätzung an einer Studie der ING Digitales Banking in Deutschland.

Digitales Banking explodiert

Quelle: Studie Digitales Banking 2021 ING

Dass Covid-19 und die Einschränkungen durch die Pandemie eine Verstärkung der Digitalisierung bewirkt haben, ist schon allgemein bekannt. Entscheidend ist, wie die konkreten Folgen und Auswirkungen auf das Alltagsbusiness sein werden. Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass ich derzeit nicht wahrnehme, wo es Konzepte gibt, die in Deutschland aktiv zeigen, dass man die Situation bei Finanzdienstleistern richtig einschätzt. Insbesondere der Trend Ökosysteme als strategisches Instrument einzusetzen – in diesem Fall die Verbindung von e-Commerce und e-Banking – scheinen noch nicht passend für den Verbraucher konzipiert zu sein.

Umso schwerwiegender ist die Folge auf der nächsten Folie zu sehen. Wo liegt eigentlich digitales Potential um im erfolgreiches Provisions- und/oder Zinsgeschäft zu generieren?

Größtes Potential Altersgruppe 55+ für Digital Banking

Quelle: Studie Digitales Banking 2021 ING

Die ING hat in ihrer Studie das größte Potential bei der Altersgruppe 55+ verortet.

Produkte und Prozesse für Zielgruppe 55+

Diese Einschätzung finde ich nun sehr spannend, denn jetzt stellen sich z.B. folgende Fragen:

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, natürlich bedeutet eine Zielgruppenansprache 55+ nicht, dass man das Alter in den Mittelpunkt stellt, es geht um Usability, passende Produkte und vor allem vertrauensbildende digitale Prozesse.

Diese Zielgruppe entdeckt gerade digitale Devices und hat eine an dieses Segment passende Erwartungshaltung an Funktionalität und UX von Banking- oder Ökosystem Apps.

Vor einer Entscheidung sich exklusiv dieser Zielgruppe mit Investitionen in Marketing und Technologie offen zu zeigen, stellt sich die Frage, welche Gehaltsgruppen stehen zur Disposition?

Einkommens- und Bildungsgruppe Digital Banking

Quelle: Studie Digitales Banking 2021 ING

Es wird eine Herausforderung sein, in der Produktpalette von Finanzdienstleistern für diese Zielgruppe affine Produkte zu generieren. Ebenso müssen kreative UX Designer und Business Innovatoren hierzu noch Design-Thinking Workshops durchführen – oder pragmatisch gesagt, einfach mal ausprobieren, was Kunden in diesem Segment gefällt und dazu eine digitale Kampagne starten.

Europäischer Vergleich Digitales Banking

Und da gerade zwischen Deutschland und anderen europäischen Staaten Parallelen gezogen werden, ist es besonders ernüchternd die Bundesrepublik im europäischen Vergleich zu sehen

Quelle: Studie Digitales Banking 2021 ING

Woran liegt es eigentlich, dass Deutschland in so vielen digitalen Bereichen hinten ansteht? Die Politik allein dafür verantwortlich zu machen, ist nicht zielführend. Ich glaube viel mehr, dass es ein strukturelles Problem bei Finanzdienstleistern ist. Die zumindest angepasste Auflösung von hierarchischen Strukturen scheint schwierig bis unmöglich zu sein. Das kann natürlich auch an regulatorischen Vorgaben liegen, was aber dabei nicht verschwiegen werden sollte. Das Finanzdienstleistungsbusiness tut sich eben sehr schwer mit Veränderungen und FinTechs sind auch kein Allheilmittel. Oder wie man es auch auslegen könnte: Veränderungswilligkeit: Eine Frage der Biochemie

Passend zu dieser Auslegung auch das folgende Zitat aus dem Bank Blog „FinTechs heizen Wettbewerb in der Finanzbranche an

Veraltete Denkmuster stehen den Banken im Weg

Der Weg der Digitalisierung werde jedoch durch veraltete Denkweisen und Geschäftsmodelle gestört. So gaben 47 Prozent der Führungskräfte an, dass die Muttergesellschaft die Vorhaben nicht ausreichend unterstütze. 43 Prozent beklagten, dass eine kurzfristige und vorübergehende Kanibalisierung des Kundenstamms der Muttergesellschaft nicht akzeptiert werde. 55 Prozent gaben zu Protokoll, dass sie nicht mit den unzureichenden Digital-Angeboten umgehen könnten.
Da die konkurrierenden FinTech-Unternehmen weiter Einfluss und Marktanteile gewinnen, sollten traditionelle Banken ein hybrides Modell entwickeln, in dem sie ihre Middle- und Back-Office-Abläufe hinter den Kulissen modernisieren und reine Digital-Einheiten schaffen, um einzelne Kundensegmente zu bedienen.
Quelle: FinTechs heizen Wettbewerb in der Finanzbranche an

Am Ende bleibt die Hoffnung, dass in den Vorstands- und Entscheidungsbereichen von Finanzdienstleistern auch die einfachen Lösungen gesehen werden sollten – einfach erstmal auf seine Bestandskunden schauen mit dem Blick:

  • Was ist dieser Gruppe wirklich wichtig?
  • Was würden genau diese „zufriedenen“ Kunden ihrem besten Freund:in empfehlen?

Die Antworten darauf kann man häufig auch aus eigener Perspektive zum eigenen Bankkonto oder der relevanten Finanzdienstleistung geben.

Ich freue mich über Kommentare und natürlich das Teilen dieses Beitrages.

Euer Hybridbanker

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